Java Magazin - Editorial 7.2006
Dialekte von Java?
Einmal im Jahr, rund um die JavaOne, ticken die Java-Uhren etwas schneller als in den übrigen Monaten des Jahres. Sun schafft es noch immer, die JavaOne als den unbeschrittenen Höhepunkt der Java-Welt zu inszenieren und bemühte sich gar in diesem Jahr sogar, das Thema „Java“ in den Mittelpunkt zu stellen – und nicht seine Produkte.
Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass Sun noch immer das Steuer in der Hand hält und entscheidet, in welche Richtung die Technologie weiter entwickelt werden soll. Ein klein wenig Open Source kündigte Rich Green, Software-Chef des Unternehmens, wieder einmal an, ohne dabei konkrete Termine oder gar eine Form dafür zu nennen.
Die übrigen Unternehmen, allen voran IBM, üben bekanntlich seit Jahren mächtigen Druck aus. Sie haben massiv in die Java-Technologie investiert und wollen Java der Einflusssphäre desjenigen Unternehmens, das Java aus der Taufe gehoben hat, entreißen. Doch was bedeutet eigentlich eine Open-Source-Implementierung von Java für die Industrie?
Wer sich die Quellen ansehen will – bitte, der kann dies bereits tun. Alles ist öffentlich. Wer sich dagegen eine liberale Java-Lizenz im Apache-Stil wünscht, der wünscht sich zugleich die Möglichkeit, eigene Java-Derivate zu entwickeln. Doch ist dies wirklich im Sinne von Java? Ist der Welt damit gedient, wenn es eines Tages einen WebSphere-Dialekt von Java gibt, einen Oracle- oder einen SAP-Dialekt? Eines ist mal sicher: Die großen Plattform-Anbieter bekennen sich zwar (glaubhaft) zu den Java-Standards – doch werden sie der Versuchung widerstehen können, wenn sie durch proprietäre Erweiterungen irgendwelche Vorteile erzielen können?
Sicher, der Java Community Process ist nicht für das Tempo geschaffen, das viele sich wünschen. Klar ist auch, dass der JCP heute von vielen als Hemmschuh für Innovationen empfunden wird. Immer mehr Standards werden an alternative Organisationen übergeben, immer mehr APIs werden in der Open-Source-Community entwickelt. Dass z.B. Spring die klassischen Editionen (Java SE, Java EE) in Frage gestellt hat, ist aber nichts Schlechtes – lehrt doch Spring im Grunde nur eine neue Art und Weise, mit Standard-Java umzugehen.
Es scheint, dass der JCP bei der Festlegung der Java-Basisspezifikationen bislang einen guten Job gemacht hat, im Bereich der High-Level-APIs dagegen dazu neigt, sich hin und wieder zu übernehmen. Der Wettbewerb tut auch der Java-Technologie gut – wenn dabei nur die Kompatibilität nicht auf der Strecke bleibt. Wenn Sun sich eines Tages doch entschließt, neue Strukturen für Java zu schaffen, dann sollte es sich ein wenig an der ungeliebten Eclipse Foundation orientieren.
Diese bietet ein interessantes Modell für Führungskraft, Offenheit und institutionelle Stabilität. Strategische Mitglieder bei Eclipse müssen Jahr für Jahr 250.000 Dollar für ihre Mitgliedschaft bezahlen und dazu mindestens acht Vollzeit-Entwickler für ein Eclipse-Projekt abstellen. Dies zeigt, wie in einem Open-Source-Projekt für Kontinuität und Stabilität gesorgt werden kann – während manches Mitglied des Java Community Process sich dagegen eher nach Lust und (wirtschaftlicher) Laune mal intensiver, mal weniger intensiv engagiert. Sun, das noch immer große Summen in die Forschung in und zu Java investiert, könnte durch ein solches Modell nebenbei Kosten sparen bzw. sich endlich aufs Geldverdienen mit Java konzentrieren.
Eine Woche vor der JavaOne waren viele von Ihnen auf der JAX in Wiesbaden gewesen. Wer die JAX-Konferenzen vom früheren Konferenzort Mörfelden her noch kennt, konnte über die Größe des Saales staunen, in dem weit über eintausend Java-Enthusiasten Platz fanden. Natürlich haben wir uns über den starken Zulauf zu der Konferenz sehr gefreut – stellt er doch auch einen überzeugenden Beweis für die enorme Vitalität der Java-Community im deutschsprachigen Europa dar! Uns von der Java Magazin-Redaktion hat die JAX jedenfalls enormen Spaß gemacht und wir freuen uns schon auf die nächsten JAXen mit Ihnen!
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